Wer sind wir?

Die freireligiösen Gemeinden bilden eine Bewegung, die aus den Deutschkatholiken und den protestantischen Lichtfreunden hervorging. Beide Gruppen schlossen sich 1859 zum „Bund Freireligiöser Gemeinden Deutschlands K.d.ö.R.“ (= BFGD) zusammen, der den Status einer „Körperschaft des öffentlichen Rechts“ besitzt. Religiöse Bindung ohne Festlegung auf eine für alle Mitglieder gültige Glaubensaussage und die Selbstbestimmung der Gläubigen standen im Vordergrund.

Die Zuführung neuer Mitgliederkreise aus den Reihen der Arbeiterbewegung nach dem 1. Weltkrieg führte zu einer Variationsbreite von „Pantheismus“ bis „Atheismus“, organisatorisch zu verschiedenen Ein- und Austritten aus der gemeinsamen Dachorganisation. Wegen der Verbindung des BFGD zu Freidenkerorganisationen im „Deutschen Volksbund für Geistesfreiheit“ (DVfG) und damit zu als kommunistisch oder sozialdemokratisch geltenden Organisationen wurden zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft die meisten freireligiösen Gemeinden verboten und wirkten über eine „Lesegemeinschaft Deutsche Volksreligion“ weiter. 1948 organisierte sich der BFGD im Westen Deutschlands neu, im Osten bestanden noch bis 1970 vereinzelte Gemeinden, die nach Behinderung durch die DDR-Führung an Bedeutung verloren. Gegenwärtig gibt es in Deutschland ca. 30.000 Freireligiöse in über 50 selbstverwalteten Gemeinden.

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Grundsätze freier Religion

I

Die Wahrung der Freiheit der persönlichen Auffassung sowie der religiösen und weltanschaulichen Selbstbestimmung sind unabdingbare Voraussetzungen freier Religion. Religion und Weltanschauung sind Formen der persönlichen Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit. Sie bedeuten uns Daseinsorientierung mit dem Ziel, dem Leben einen Sinn zu geben und Lebenskrisen zu meistern. Wir achten andere religiöse Überzeugungen. Glaubens- und Gewissenszwang lehnen wir ab.

II

Wir bemühen uns um ein Verständnis der Welt im Einklang mit den Erkenntnissen der Wissenschaften, bereichert durch die Einsichten und Erfahrungen aus Philosophie, Dichtung, Musik und Malerei. Wir sehen das Leben als einen Ablauf von Entstehen, Werden und Vergehen. Auch der Mensch als Teil der Natur ist ein Produkt der Evolution. Aus dem Bewusstsein seiner Selbst und der Vergänglichkeit alles Lebendigen ergibt sich seine Verantwortlichkeit.

III

Das persönliche Leben ist begrenzt und einmalig. Jedes Leben wirkt nach seinem Ende weiter, in den Erinnerungen der Mitmenschen, in den Folgen seiner Handlungen, in den Nachkommen und bleibt Teil des Kreislaufs der Natur.

IV

Überzeugt von unserer Vergänglichkeit versuchen wir, das Leben intensiv zu nutzen und sinnvoll zu gestalten. Dabei fühlen wir uns dazu verpflichtet, das Wohl der Mitmenschen zu berücksichtigen und im Einklang mit der Natur zu leben.

V

Wir sind davon überzeugt, dass unser Leben sich nur im friedlichen Zusammenleben selbstverantwortlicher Menschen entfalten kann. Wir setzen uns gemeinsam mit allen friedliebenden Menschen dafür ein, dass Konflikte, wie auch rassische, religiöse und soziale Gegensätze gewaltfrei ausgetragen werden.

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(Zitat aus dem Faltblatt: „Freie Religion“ der freireligiösen Gemeinden.)

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