Robert Blum. Auf dem Theater des Lebens.

Anke Reuther (Hrsg.): Robert Blum. Auf dem Theater des Lebens. Beiträge zur Robert–Blum–Ehrung.

Der Band enthält die von Kirsten Reuther geschaffene und 2007 uraufgeführte Robert-Blum-Revue,die das Leben Robert Blums mit Liedern des Vormärz und der Revolution von 1848/49 verknüpft, 14 Briefe von Blum an Johannes Ronge, tabellarische Lebensläufe von Blum und Ronge und 2 Festvorträge zu Ehren Blums von Dr. Eckhart Pilick und der Geschäftsführerin der Freireligiösen Gemeinde Berlin, Kirsten Reuther. Ein Personenverzeichnis, ein Glossar und eine Audio-CD mit dem Neuen Robert-Blum-Lied ergänzen den Band.

Im Festvortrag „Konziliation“ zum 200.Geburtstag Blums, 2007 in Offenbach gehalten, stellt Pilick den Charakter Blums, sein Wirken und die daraus resultierenden Erkenntnisse für die Zukunft der Freireligiösen dar. Pilick skizziert Blums Lebensweg „nach oben von ganz unten“, wie er zu den „wirklich Gebildeten in Deutschland zählte, obwohl er….keine akademische Ausbildung genoss“, wie er sich für die Bildung des Volkes einsetzte oder wie er durch die Gründung des Vaterlandvereins und mit Schillerfeiern zur Politisierung und Demokratisierung der Gesellschaft beitrug. Blums Vaterlandsliebe beinhaltete auch schon die Vision eines friedlichen Europa.

Pilick sieht in Blums Geburtsstadt Köln auch die Ursache für seinen Charakter und seine Visionen. Den Rhein verinnerlichte Blum nicht als Grenzfluss, sondern als vorwärts gerichtetes fortschreitendes, unaufhaltsames Element. So kannte er auch „keine Grenzen, zumindest keine unüberwindlichen, nicht die zwischen Sakralem und Profanem, zwischen Religionen und Politik“.

Blum wollte mit der Deutsch- katholischen Bewegung außerhalb der Kirche reformieren und nicht, wie immer falsch behauptet wird, innerhalb. Deshalb berief Blum ein Konzil ein.

Konziliation ist für Pilick die Charakterstärke Blums, nämlich Versöhnlichkeit und Vereinigungsstreben, Tugenden, auf die sich die Freireligiösen heute besinnen sollten. „Nichts geht mehr ohne Bündnisse.“ Raus aus der katholischen Kirche, das war für Blum klar, und die Bezeichnung „ katholisch“ war nicht mehr als eine Herkunftsbezeichnung. Wichtig sind nicht die Namen, sondern die Inhalte, für Blum wie für Pilick, auch deshalb die Gründung von autonomen Gemeinden in Selbstverwaltung.

Seine Forderungen mit dem Ziel einer demokratischen Gesellschaft waren radikal, sein Handeln kämpferisch, aber immer wieder auch versöhnlich. Netzwerke schaffen, das war eines seiner Mittel. Gewalt lehnte Blum ab, deshalb auch Struve und Hecker. Mehrmals gelang es ihm, die aufgebrachte Menge von blinder Raserei abzuhalten. Umso tragischer, dass er in Wien, um sich selbst – „vorwärts und nie zurück“ – und der Sache treu zu bleiben, zur Waffe greifen musste.

„Freie Religion ist kein abgeschlossenes System, sondern eine geistige Haltung. Sie ist eher Gesinnung als Dogma.“ Darum erscheint sie Pilick als „aktuelles Modell…zwischen dem Fundamentalismus auf der einen und der Indifferenz auf der anderen Seite.“ „ Freie Religion …muss sich asymmetrisch zum status quo verhalten“, in dieser Tradition stehen wir seit Blum. Dass aus der anfänglich antiklerikalen Bürgerinitiative eine pantheistische Religionsgemeinschaft werden konnte, dafür hat Blum die Voraussetzungen geschaffen.

Pilick nennt 3 Verdienste Blums

– die praktische Erfahrung der Nicht-Identität von Religion und Christentum

– das verfassungsmäßige Recht auf Religionsfreiheit

– der Masse das Bewusstsein gegeben zu haben, nicht nur passive Manövriermasse der Herrschenden, sondern aktive Teilnehmer werden zu können.

Wer sich über Blum informieren, aber auch wer sich intensiver mit Blum beschäftigen möchte, wird in diesem Aufsatz von Pilick bestens bedient. Neben der Skizze von Blums Leben gelingt es Pilick in der von ihm gewohnten Art, scheinbare Kleinigkeiten grandios in den großen politischen und philosophischen Kontext zu stellen und zum Strahlen zu bringen.

Die Festrede – ein Glück für jeden Freireligiösen und Blum-Liebhaber, dass sie gedruckt vorliegt.

Harald Bender

Auszug der Rezension in:

Freie Religion Heft 7/8 Juli/August 2011.

Anke Reuther (Hrsg.): Robert Blum. Auf dem Theater des Lebens. Beiträge zur Robert-Blum-Ehrung.

Be Bra Wissenschaft Verlag Berlin 2011. 288 Seiten. ISBN: 978-3-937233-80-2. Preis: 24,80 €

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